Klassifikation der
© Jürgen F. Schopp |
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| Die typografischen
Schriften (als Druckschriften für den Bleisatz wie als Computerfonts)
lassen sich als Ausdrucksformen des Zeichensystems Schrift nach verschiedenen Aspekten klassifizieren. Nach dem Schriftcharakter unterscheidet
man grundsätzlich
runde (Antiqua) und gebrochene (Fraktur,
zuweilen fälschlich gotisch genannt) Schriften sowie Zwischenformen,
auch als Bastardschriften bezeichnet. Dazu kommen fremde
Schriften, wozu die mitteleuropäischen Klassifikationen alle Schriften
zählen, die nicht das lateinische Alphabet verwenden, während
die nordeuropäischen Klassifikationen einen Unterschied machen zwischen
verwandten (Griechisch und Kyrillisch) und nicht verwandten (Arabisch,
Hebräisch, Sanskrit etc.) Schriftsystemen.
Alle bestehenden Klassifikationen verbinden formale und kulturgeschichtliche Gesichtspunkte, so z.B. die nicht unumstrittene DIN 16518 aus dem Jahr 1964. Neben der DIN-Klassifikation (die bei der Renaissance-Antiqua je eine Klasse für die französische und venezianische Variante ansetzt) folgen hier weitere Klassifikationsversuche und -vorschläge. Die Merkmale kann man am besten durch konkreten Vergleich feststellen. Dazu eignen sich Schriftmusterbücher und Font-Kataloge wie der des FontShops Berlin mit fast 5000 Fonts. Auch im Internet finden sich gute Hilfen wie z.B. von International Typeface Corporation. Die im folgenden aufgeführten Beispiele umfassen sowohl historische Schriften wie auch Neuschöpfungen des 20. Jahrhunderts, die sich an historischen Vorbildern orientieren. 1. Alfred Kapr, 1983 (dt. 1971)1. Renaissance-Antiqua (Old Face) 2. Barock-Antiqua (Transitional Face) 3. Klassizistische Antiqua (Modern Face) 4. Varia-Antiqua (Display Typefaces) 5. Serifenlose Linear-Antiqua (Grotesk; Sans serifs) 6. Serifenbetonte Linear-Antiqua (Egyptienne; Strong-serifed) 7. Schreibschriften (Script Face; Calligraphic Typeface) 8. Gebrochene Schriften (Broken Scripts; Fraktur forms)2. DIN 16518
3. Ursprünglicher Vorschlag zur Vereinfachung von DIN 165181. Gebrochene Schriften 2. Römische Serifen-Schriften 3. Lineare Schriften 4. Serifenbetonte Schriften 5. Geschriebene Schriften Nach Auskunft des Normungsausschusses wurde nach Anhörung von Fachleuten auf diese Einteilung verzichtet. Die endgültige Neuordnung steht noch aus, soll aber grundsätzlich anders werden.4. Ein moderner skandinavischer Klassifikationsversuch(nach Pekka Loiri / Elisa Juholin: HUOM! Visuaalisen viestinnän käsikirja. Helsinki 1998)
b) Rotunda c) Schwabacher d) Fraktur
b) Antiqua der Übergangszeit oder Barockantiqua (z.B. Baskerville) c) Neu- oder klassizistische Antiqua (z.B. Didot, Bodoni) d) Serifenlose Antiqua (z.B. Optima, Colonia, Stellar)
b) deutscher Typus, gleichmäßige Strichstärke
b) zweierlei Strichstärken (z.B. Univers)
(z.B. Trixie, Custic Biomorph, MICR) 5. Schriftstile beim FontShop1. Serif (= Serifennormale Antiquaschriften) 2. Sans Serif (= Serifenlose Antiquaschriften) 3. Slab Serif (Serifenbetonte Antiquaschriften) 4. Script (= Schreibschriften) 5. Graphic (=Antiquavarianten) 6. Display (=Antiquavarianten) 7. Blackletter (= Gebrochene Schriften) 8. Monospaced (= Schreibmaschinenschriften) 9. Symbols & Ornaments (= Symbole, Vignetten, Typosignale) 0. Non Latin & Special Accents——— Alle bestehenden Klassifikationen lassen den Gegensatz zwischen organisch gewachsenen Schriften nach dem humanistischen Formprinzip (Bollwage 2000), die sich gut für große Textmengen eignen, und geometrisch konstruierten Schriften, die in der Regel nur für Headline-/Display-Texte oder sonstige einzelne Textzeilen geeignet sind, unberücksichtigt. Auch klassizistische Antiquaschriften (Bollwage: klassizistisches Formprinzip) eignen sich aufgrund des extremen Kontrastes in der Strichstärke nicht gut für Mengensatz. Das gleiche gilt für geometrisch konstruierte serifenlose und serifenbetonte Antiquaschriften. Die von der klassizistischen Antiqua hergeleiteten Serifenlosen (z.B. Helvetica, Folio, Univers) und Serifenbetonten (Clarendon, Egyptienne, Glypha) wirken statisch und sind deshalb keine so idealen Mengensatzschriften wie die von der Renaissance-Antiqua abgeleiteten Serifenlosen (z.B. Frutiger, Gill) und Serifenbetonten (Joanna, Lino Letter). Im Gegensatz zu den Handschriften läßt sich bei den Druckschriften meist auch der Schöpfer bzw. Designer angeben. Die bekannteste (und in Fachkreisen als schönste geltende) Renaissance-Antiqua, die Garamond (1532) stammt von dem Franzosen Claude Garamond; eine Neuschöpfung ist die auch als DTP-Schrift beliebte Palatino von Hermann Zapf (1948). Die Baskerville (von John Baskerville, 1757) ist eine historische Barock-Antiqua; neu dagegen ist die Times, im DTP meist als Times New Roman vertreten. Hauptvertreter der Klassizistischen Antiqua ist die Bodoni, eine Schöpfung von Giambattista Bodoni (ca. 1790). Von der Vielzahl der offensichtlich immer beliebter werdenden Grotesk-Schriften seien genannt: Futura (Paul Renner, 1927), Gill Sans (Eric Gill, 1928-32), Helvetica (Max Miedinger, 1957) und Avant Garde (1970-77). Zur Gruppe der Egyptienne sind neben Druckschriften wie der Egiziano (Vincent Figgins, 1815) prinzipiell auch Schreibmaschinen-schriften wie die Courier zu rechnen. |
6. Die Merkmalsmatrix von Max Bollwage
Anregungen für eine völlig neue Sichtweise gibt
Max
Bollwage
7. Mein vorläufiger, praxisorientierter Vorschlag Diese Klassifikation ist für Laien gedacht, die im Rahmen des typografischen Schreibens oder der Kulturtechnik Typografie (®Glossar) mit typografischer Schrift in Berührung kommen. Sie arbeitet mit 6 Hauptklassen, die wiederum in Unterklassen geteilt sind. In den Tabellen steht in der ersten Spalte die Unterklasse, in der zweiten die Unterklassenbenennung. Die dritte Spalte nennt einige Beispiele und die vierte die hauptsächlichen Anwendungsbereiche, wobei das Merkmal „gute Mengentextschrift“ alle anderen Anwendungen (Akzidenz-, Titel- und Displaysatz) mit einschließt. Schriften aus nicht-lateinischen Schriftsystemen sind hier nicht mit berücksichtigt, doch lassen sich die „Verwandten“ aus dem griechischen Schriftenkreis (Griechisch, Kyrillisch) problemlos hier zuordnen, da die entsprechenden Schriften über die gleichen periferen grafischen Merkmale verfügen (sollten). 1. Serifennormale Antiquaschriften
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