Initialen

© Jürgen F. Schopp
Universität Tampere (Finnland)
2002 (2. Version; 1. Vers.: 1998)
Aktualisiert: 4. 9. 2002

Das Wort Initiale (auch: das Initial) stammt vom lat. initium, was Anfang, Beginn bedeutet. Initialen markieren den Kapitelbeginn in Büchern sowie den Beginn eines Artikels in Broschüren und Zeitschriften. In Initialfunktion treten sie vor allem dann auf, wenn die Kapitel keine Überschrift haben, wie bei den spätantiken Handschriften, deren Initialen noch kaum ausgestaltet waren. Ihre zusätzliche ästhetische Funktion erhielten sie im keltisch-germanischen Raum, wo sie als Illustration, Schmuck-und Auflockerungselement verwendet wurden (z.B. das berühmte »Book of Kells« aus Irland), mit dem Höhepunkt in den mittelalterlichen Handschriften – natürlich mußte sich auch Gutenberg an die Konventionen halten und ließ, da er noch kein Vierfarben-Druckverfahren kannte, die Initialen für seine Bibeldrucke nachträglich von Hand einfügen.

Typografen unterscheiden im Hinblick auf die Gestalt der Initiale vier Typen (vgl. Davidshofer/Zerbe 1961):

    1. Einfache Initiale,
    2. Verzierte Initiale,
    3. Illustrierte Initiale,
    4. Kassetten-Initiale.

Die technischen Möglichkeiten von DTP stellen weitere
Initialtypen zur Verfügung. So führt Sommer (1988, 43)
die folgenden Typen auf:

1. Überragende Initiale (bei Sommer heißt es allerdings: »der Initial«) – ein Initialbuchstabe, der auf der Schriftlinie der ersten Zeile steht.
2. Eingebaute Initiale – läuft über mehrere (Sommer: »drei«) Zeilen (Beispiel 2); entspricht Typ 1 von Davidshofer/Zerbe.
3. Die angesetzte Initiale läuft ebenfalls über mehrere (»drei«) Zeilen, steht aber vor dem Text (hier kein Beispiel). Bei dieser Initialart besteht die Gefahr, daß der Buchstabe »wie angeklebt« aussieht (Davidshofer/Zerbe 1961, 118).
4. Hinterlegte Initiale – ein Initialbuchstabe, der bei vollen Zeilen (optimal: drei) hinter (unter) dem Text liegt (kein Beispiel).

DTP-Programme machen es dem Benutzer relativ leicht, einen Textabsatz mit einer Initiale zu beginnen. Am häufigsten wird wohl die einfache Initiale eingesetzt.
Bsp. (1) zeigt, wie das dann zuweilen aussieht. Bei der Gestaltung einer Initiale sollte man Folgendes beachten:

1. Die Initiale muß mit der sie abschließenden Zeile Linie halten (2).

2. Die einfache Initiale muß sich optisch in den Satzspiegel einfügen, d.h. sie muß wegen des seitlichen Fleisches meist etwas ausgerückt werden – die Serifen stehen dann über (2).

3. Der Schriftcharakter der Initiale sollte mit der Grundschrift und dem Inhalt des Werkes übereinstimmen.

4. Bei Schreibschriften werden die auslaufenden Buch- stabenteile noch stärker freigestellt (3).

5. Bei Initialbuchstaben mit schrägen Strichen (z.B. A, V, W) kann der optisch zu große Freiraum durch »gestufte Zeilenführung« reduziert und ausgeglichen werden (Beispiel bei Sommer). Problematisch sind Buchstaben wie L und T – ich versuche solche Fälle zu vermeiden, indem ich zumindest bei meinen eigenen Texten umformuliere.

6. Überragende Initialen können auch mit einem Einzug versehen werden, der z.B. die Proportionen des Goldenen Schnittes aufweist (4).

7. Kassetten-Initialen als ausgefüllte Fläche lassen sich durch Tonflächen hinter dem (weißen) Buchstaben darstellen (5); ihr Abstand zum Text sollte ebenso groß sein wie der optische Zeilenzwischenraum.

8. Wenn echte Kapitälchen zur Verfügung stehen, kann man das mit der Initiale begonnene Wort in diesen setzen
(Beispiel 5) – so wurde es zumindest zu Zeiten des Bleisatzes praktiziert.

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