Der Satzspiegel

© Jürgen F. Schopp
Universität Tampere (Finnland)
2002 (2. Version; 1. Version: 1998)
Bearbeitet: 4. 9. 2002
Als Satzspiegel bezeichnet man den im Layout vorgesehenen Bereich für Text und Abbildungen, der sich für den Leser als einheitliche graue Fläche vom Untergrund (Papier etc.) abhebt. Zum Satzspiegel gehört neben dem eigentlichen Text auch der lebende Kolumnentitel (Seitenziffer/Pagina mit Textelementen, evt. mit einer Linie); nicht dazu gehören toter Kolumnentitel (nur die Seitenziffer), Marginalien (Randbemerkungen) und Bogensignatur (drucktechnische Angabe). Man unterscheidet „konventionellen“ und „unkonventionellen“ Satzspiegel. Der konventionelle Satzspiegel ist symmetrisch und folgt bestimmten Proportionsgesetzen (Villardsche Figur, Goldener Schnitt, Neunerteilung etc.). Der Satzspiegel kann aber auch asymmetrisch, frei bestimmt werden oder einem Gestaltungsraster folgen. Die in typografischer Literatur zu findenden Satzspiegelkonstruktionen (oft teilweise falsch benannt) beziehen sich in erster Linie auf belletristischen Werksatz, sind also für Sachbücher und Zeitschriften völlig ungeeignet).
Ein harmonischer Satzspiegel entsteht, wenn Buchseite und Satzspiegel die gleiche Proportion haben. 
Eine häufig angeführte Konstruktion ist die oben abgebildete. Ihr liegt der Villardsche Teilungskanon im Teilungsverhältnis 1 : 2 zugrunde, der eine Strecke so teilt, daß der eine Teil die Hälfte des anderen ausmacht (also 1/3 und 2/3). Bei dieser Konstruktion, die von dem holländischen Typografen van de Graaf stammt, entsteht ein Satzspiegel, der auf der Neunerteilung beruht. Das ergibt die folgenden Werte: Innenrand (Bund) 1/9 der Seitenbreite, Außenrand 2/9, Satzbreite 6/9. Oberer Rand (Kopf) wieder 1/9, unterer Rand (Fuß) 2/9 und Satzhöhe 6/9. Der Satzspiegel für die linke Seite wird natürlich symmetrisch dazu konstruiert. 
Meine Zeichnung bezieht sich auf das DIN-A5-Format (14,8 x 21 cm – hier natürlich stark verkleinert), das bekanntlich ein Seitenverhältnis von 
1 zu Wurzel aus 2 aufweist. Versuchen Sie die Konstruktion für ein Seitenformat, das die Proportion des Goldenen Schnitts hat (z. B. 13,12 x 21 cm) oder die Proportion 2 : 3 (z. B. 14 x 21 cm).
Und so wird's gemacht: Zuerst zeichnen Sie die beiden Diagonalen der Doppelseite, dann von der Mitte oben ausgehend die Diagonalen der Einzelseiten. (Damit haben Sie übrigens bereits eine Hilfskonstruktion, mit der Sie weniger splendide oder noch splendidere Satzspiegel konstruieren können.) Vom rechten Schnittpunkt gehen Sie nach oben. Von dort zum linken Schnittpunkt. Wo sich diese Strecke mit der rechten Seitendiagonale schneidet, beginnt die linke obere Ecke Ihres Satzspiegels. Jetzt müssen Sie nur noch die rechte obere Ecke auf der Doppelseiten-Diagonale und die rechte untere Ecke auf der Seitendiagonale ergänzen, dann ergibt sich die linke untere Ecke automatisch.

Zu einem solchermaßen konstruierten Satzspiegel paßt an sich kein lebender
Kolumnentitel mehr, sondern eine Pagina, die unten (in der Mitte oder am Rand) steht.

Für Sachliteratur empfiehlt sich eher die Konstruktion eines Gestaltungsrasters
(
®Glossar).

(Wird fortgesetzt)

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