Symmetrie &
Asymmetrie

© Jürgen F. Schopp
Universität Tampere (Finnland)
2002 (2. Version; 1. Vers.: 1998)
Aktualisiert: 4. 9. 2002

(Hier wird irgendwann einmal eine Abbildung eingefügt)
Ein typografisches Arrangement kann auf zwei verschiedene Arten durchgeführt werden (vgl. Hallberg 1968). Bei der symmetrischen Typografie (1) gruppiert man die einzelnen Textelemente unter Berücksichtigung der Balancelinie symmetrisch um eine vertikale Mittelachse – man spricht deshalb auch von axialer Typografie. Bei asymmetrischer Typografie (2) sind die einzelnen Layoutelemente in einem ausgewogenenen, harmonischen Verhältnis um den Balancepunkt plaziert.

Die symmetrische Form ist die ältere und traditionellere. Sie wird vor allem für festliche und repräsentative Texte wie Buchtitel, Urkunden, Einladungen, Programme etc. verwendet. Spannung und Harmonie erreicht man durch eine sorgfältige Abstimmung der Schriftgrade aufeinander, durch eine durchdachte Variation im Zeilenverlauf (Zeilenfall) und bei der Verteilung der Zwischenräume (z.B. nach den Proportionen des Goldenen Schnitts) sowie durch Ausnutzung von Form- und Stärkekontrast. Hinzu tritt die weiße, unbedruckte Fläche des Papiers als wichtiges Gestaltungselement.


Die asymmetrische Form wirkt dynamischer, progressiver – erfordert aber ein gutes Formgefühl, das meist erst Resultat langjährigen Trainings ist. Asymmetrische Typografie stützt sich bewußt auf das Prinzip der Unregelmäßigkeit bei harmonischer und proportioneller Balance.

Symmetrischen Arrangements werden vor allem die Attribute festlich, diskret, traditionell, ernst, ruhig und konservativ zugeschrieben, während Arrangements mit asymmetrischer Anordnung der Textblöcke eher als zeitgemäß, auffällig, modern, interessant, spannend und progressiv gelten.

Problematisch ist für den Laien vor allem die Verbindung von symmetrischem und asymmetrischem Prinzip, z.B. bei Titelzeilen auf Mittelachse und Textblöcken im (linksbündigen) Flattersatz, da oft vergessen wird, daß die optische Randlinie rechts nicht mit dem durch die Zeilenbreite gegebenen Spaltenrand zusammenfällt, son- dern weiter links liegt. Blocksatz würde in diesem Fall besser dazupassen.

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